Seltsame Dinge tummeln sich im Netz und breiten sich unaufhaltsam auch in der realen Welt aus. Einst für erlesene Momente der Sprache pfleglich eingesetzt, nimmt der im Volksmund als Auslassungszeichen bekannte Apostroph mittlerweile unbändigen Missbrauchscharakter an. Das eigentliche Wesen des - dem Komma ähnlichen, aber etwas höher angesiedelten - Satzzeichens, Auslassungen in einem Wort zu kennzeichnen, wird zunehmend verkannt und immer häufiger findet man den Apostroph an den exotischsten Stellen eines Wortes wieder. Die Apostrophitis, abgeleitet aus der medizinischen Endung -itis für Entzündung, entwickelt sich zunehmend zur Apostrophose, einer Epidemie, die kaum mehr aufzuhalten ist.

Eine der häufigsten Abstrusitäten ist die leichtfertige Verwendung und Verbreitung von AGBs, die oft auch als AGBs auftauchen, was ebenso verkehrt ist, auch wenn in diesem Fall der gebranntmarkte Apostroph verschont bleibt. Auch beliebt: der “Plural-Apostroph” in - meist aus dem Englischen stammenden Wörtern - Jobs, Logos, Infos, Tests, der nicht nur schlichtweg verkehrt ist, sondern auch den Lesefluss zunehmend behindert.

Besonders im gastronomischen Bereich finden sich Exemplare des angelsächsischen Genitiv-Apostrophs, der das “s” vom Wortstamm abtrennt. Obwohl orthographisch falsch, erfreut sich diese sprachliche Spezialität großer Beliebtheit:

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Selbst die Standardkonjugation von Verben bereitet zunehmend Schwierigkeiten: Imperativformen werden mit dem kleinen Häkchen am Ende versehen, sei es aus ästhetischem Gefühl oder einfach nur aus Gründen der Ratlosigkeit, schließlich hat man es ja “schon mal so gesehen”. Doch schauen’ Sie selbst:

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Weite Verbreitung finden auch kreative Neukonstruktionen, in denen dem geschundenen Apostroph neue nutzlose Aufgaben zukommen. Einfach mal nach link’s und recht’s geschaut und man findet nicht erst seit gester’n derart Bizarre’s:

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Doch wann kommt das kleine Häkchen mit der großen Ästhetik nun zum Einsatz? Nun, genau dann, wenn etwas Ausgelassenes nicht dem Zufall überlassen werden soll, entfaltet der Apostroph seine volle Wirkung.

In Beispielen wie “Ist’s möglich?” kommt die Existenz des Apostrophs gebührend zum Tragen, denn hier wird ersetzt, was ersetzt werden kann: Statt “Ist es möglich” wird abgekürzt und ein simples “es” wird ausgeschmückt mit einem apostrophierten ’s - sieht doch auch hübsch aus, oder?

Um Mehrdeutiges eindeutig zu machen, findet der Apostroph eine weitere bedeutende Verwendung. Damit “dem Andreas sein Gasthaus” nicht zu Andreas Gasthaus wird, verschafft der Apostroph Andreas’ Gasthaus Klarheit und die richtige Besitzzuordnung. Alles klar? ;-)

Zugegeben, die deutsche Rechtschreibung ist nicht ganz einfach und auch die letzte Reform erfordert scheinbar neue Qualitätsstandar t ds. Fast 1 Million Ergebnisse erzielt man mit dem Begriff ‘Standart’ bei der bekanntesten Suchmaschine im World Wide Web - und auch anderswo scheint der (oder die ??) Standart kein Exot zu sein.

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Während die Berliner Zeitung das bekannte ‘T’ des Telefonanbieters gleich für die Schreibweise des Tarifs nutzt, wird im Beitrag des WDR der anfänglich selbstbewusst eingeführte ‘Standarttarif’ gleich im ersten Absatz wieder kleinmütig zum - vielerorts auch bekannten - ‘Standardtarif’ degradiert.

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Wagemutiger ist da die Volkshochschule Straubing, die auf ihren Internetseiten die Begriffe ‘Bildungsqualität’ und ‘Qualitätsstandart’ gleich zusammen aufführt und zugleich eine jahrzehntelange Aktualität verspricht.

Zweifellos, bei der Häufigkeit des Auftretens muss es ihn doch geben - den Standart und es gibt ihn tatsächlich oder besser gesagt sie: abgeleitet von der Art und Weise finden sich im deutschen Sprachgebrauch Begriffe, die in der Tat eine Standart beschreiben; seien es Arten von Ständen wie Gemüsestände und Obststände oder Handstände und Kopfstände, Widerstände oder Verstände - sie alle sind Beweis dafür: die Standart existiert!

Und auch die Jungen Liberalen aus Paderborn wollen ihn haben, den Bildungsstandart, mit dem die neue Rechtschreibreform dann endlich auch in NRW Einzug halten kann:

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…in der Welt der sprachlichen Absurditäten. Hier finden Sie in Zukunft - mehr oder weniger häufig - Beiträge zu Kuriositäten aus der deutschen Sprache.